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Die Arbeitsweise des menschlichen Gehirns
Wie jeder Computer ein Betriebssystem hat, braucht unser Gehirn ebenfalls ein Betriebssystem, das die „automatischen" Funktionen unseres Körpers regelt. Robert Ornstein bezeichnet dieses Betriebssystem als Mental Operating System oder kurz gesagt als
MOS. Damit das Betriebssystem arbeiten kann, besteht unser mentaler Apparat aus einer Vielzahl von Schaltkreisen mit unterschiedlichen Prioritäten. Er ist eine Zusammenstellung von Schaltkreisen, einer über den anderen gelegt, jeder in den vergangenen Jahrtausenden für mehr oder minder kurzfristige Problemlösungen entwickelt. Wir haben keineswegs ein einheitliches Gehirn, sondern ein mehrstöckiges, das in unterschiedlichen Zeiten für unterschiedliche Ziele entwickelt wurde. Viele dieser einzelnen Module haben ihre eigenen Programme: Ein Programm für Wachsamkeit, ein Programm für Gefühle, für Gefahr, für den Vergleich von Sinneseindrücken, für die Vermeidung von Mangel. Mit vielen dieser Teilprogramme funktioniert unser Geist.
Das MOS schafft und erhält unsere äußere Welt, eine Welt in der wir handeln und überleben können. Eine Auswahl von sehr wenigen, kurzwelligen Schwingungen in der Luft verwandelt sich im Geist in ein Gemälde, längere Wellen verwandeln sich in Musik. Das alles geschieht innerhalb von uns selbst, in jedem Augenblick eines jeden Tages. Druckwellen werden in Nervenbotschaften verwandelt, Minuskelwellen in Farben. Aber wer oder was entscheidet, ob es sich lediglich um ein Geräusch, um Töne, um Farben handelt? Das macht der
datenverarbeitende, der datenselektierende Teil im Gehirn. Es existiert eine Vielzahl spezifischer Module von miteinander verschalteten Neuronen, die die hineinkommenden sensorischen Informationen analysieren und vergleichen. Diese Module befinden sich in unserem Großhirn, das etwa 500 Millionen Jahre alt ist. Dort ist der Sitz von Logik, kritischem und analytischem Denken, Sprache, Kreativität,
Selbstbewusstsein. Dort laufen Programme ab, die uns ermöglichen, über gut und böse nachzudenken.
Die Module leisten die grundlegende analytische Arbeit des Geistes. Sie übersetzen ein Geräuschmuster in Sprache, sie erkennen aus Millionen von Bits visueller Informationen, ob ich der Person, die ich gerade vorbeikommen sehe, gestern schon begegnet bin, sie registrieren die Position unserer Beine und alle unsere Bewegungen und noch viel mehr. Unterhalb des Großhirns liegt unser Zwischenhirn. Man sagt auch „limbisches System" dazu. Es unterscheidet sich vom Stammhirn sowohl im Aussehen als auch in der Struktur und in seinen Funktionsweisen. Dort gibt es die Module, die unsere Verhaltensweisen festlegen. Hier werden unsere Emotionen gesteuert, z.B. Lust- und Unlustgefühle. Wir finden dort Schaltkreise vor, die Körpertemperatur und Durst regulieren. Es laufen Programme ab, die unsere Gefühlsreaktionen steuern, um in Notfallsituationen klarzukommen. Es ist unser grundlegender „emotionaler Apparat".
Noch älter als das limbische System ist unser Stammhirn. Es wird auch Reptiliengehirn genannt und regelt die grundlegenden Lebensprozesse in unserem Organismus. Es sind dies Atmung, Herzschlag, Schlaf, Kreislauf, Stoffwechsel
u.ä. Diese Schaltkreise sind sozusagen fest verdrahtet und können nicht verändert werden. Auch die damit verbundenen Funktionsprogramme entziehen sich in aller Regel unserem willentlichen Einfluss. Eine übergeordnete, grundlegende Arbeit, die das Gehirn leistet, ist „heilen". Das Gehirn im Ganzen können wir als Gesundheitsmaschine bezeichnen. Es überprüft Herz, Lunge und das Arbeiten aller Drüsen und Organe. Es steuert die Verdauung, Ausscheidung, Sekretion und die Abwehr von Krankheiten. Viele dieser Steuerprogramme laufen automatisch ab, andere können wir durch unsere Gedanken, durch neuronale Impulse oder Schwingungen selbst auslösen. Die allermeisten Handlungen des Gehirns, die Wahrnehmung der „inneren und äußerer Welt", unsere Gefühle, unsere Bewegungsfähigkeit dienen dem Ziel Nahrung herbeizuschaffen, sie uns einzuverleiben, giftige Substanzen auszuscheiden , usw.
Neben diesen durch die Hardware bedingten Programmen haben wir eine Vielzahl weiterer Programme, die dieser „Modulebene" übergeordnet sind. Dort siedeln wir z.B. Talent an, aber auch die Lernfähigkeit. Dem allem Übergeordnet ist unser
Bewusstsein, und unser EGO, das stets beurteilt, bewertet, vergleicht, denkt! Das Ego ist eine sehr komplexe Software unseres Biocomputers.
Nur
c.a. 10 % unseres Computers ist unserem vollem Bewusstsein, unserem Willen unterworfen. Der Rest läuft weitgehend automatisiert,
unbewusst ab. Nur zu 10% sind wir Mensch, der Rest in uns ist Tier. Das heißt, weniger dramatisch ausgedrückt, zu 10% handeln wir rational, zu 90% emotional. Und dennoch sind wir so stolz auf die „Schöpfungen" und Errungenschaften unseres Geistes. Würden wir unsere anderen 90% kennen und schulen, welche Möglichkeiten täten sich uns da auf.
Jede von außen kommende Information, die zu unserem Gehirn gelangt,
muss bevor sie ins Großhirn, in unser Bewusstsein gelangt, das Zwischenhirn passieren. Wir können deswegen davon ausgehen, dass alle unsere Außeneindrücke, die unser Gehirn verarbeitet, mit Gefühlen verbunden sind. Gedanken, die unsere Gefühle beherrschen, lenken und leiten uns, lassen uns siegen oder untergehen. Wenn wir bestimmte Ziele verfolgen, müssen wir sie gefühlsmäßig verankern. Ziele können nur verwirklicht werden, wenn sie vom Gefühl akzeptiert, mit dem Verstand geprüft und mit Aktionen angestrebt werden. Ziele müssen sensorisch überprüfbar sein.
Wie kommt es, dass die Menschen bei gleicher Bauart des Biocomputers dennoch so unterschiedlich begabt, veranlagt sind. Die Gehirnforschungen der letzen 30 Jahre liefern uns die Erklärung dafür. Unser Großhirn ist nämlich in zwei Hälften aufgeteilt, mit unterschiedlichen Funktionen.
Beide Großhirnhälften dienen unterschiedlichen Funktionen. Wer kennt das nicht: Es gibt Menschen die eine besondere Begabung für Mathematik haben, andere sind Virtuosen auf dem Klavier. Lassen wir mal den Mathematiker Klavier spielen oder den Klavierspieler mathematische Aufgaben lösen. Das Ergebnis ist hinreichend bekannt.
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